Am 05.07.2022 habe ich erfolgreich meine Ausbildung abgeschlossen und bin jetzt medizinische Fachangestellte, kurz MFA. Aber wie bin ich auf den Beruf gestoßen? Warum habe ich mich dafür entschieden? Wie war meine Ausbildungszeit und die Berufsschule? Und was habe ich von der Ausbildung in der Zukunft?

Während meines FSJs musste ich mich ja auch darum kümmern, wie es anschließend weiter geht. Daher habe ich nach Ausbildungen im medizinischen Bereich gesucht. Der Standard war in dem Fall Krankenpflegerin, aber diese Ausbildung kann man nicht auf zwei Jahre verkürzen und daher kam das für mich nicht in Frage. Bei den Stellenausschreibungen der Uniklinik Freiburg bin ich dann auf den Beruf medizinische Fachangestellte gestoßen und habe mich in einer Ambulanz beworben. Dort hatte ich ein Vorstellungsgespräch und anschließend zwei Tage Probearbeit. Mir hat es sehr gut gefallen und meine Vorgesetzten waren wohl zu frieden, weil ich den Platz bekommen habe. Es ergaben sich mehrere Vorteile. Zum einen musste ich nicht im Schichtdienst arbeiten und zum anderen hatte ich die Möglichkeit die Ausbildung zu verkürzen.

So habe ich am 01.09.2020 meine Ausbildung an der Uniklinik Freiburg begonnen.

Und es war viel entspannter auf den ersten Blick als im FSJ: geregelte Arbeitszeit von 8 bis 16 Uhr, ein fester Arbeitsplatz und keine Wochenendarbeit. Leider habe ich schnell gemerkt, dass es nur auf den ersten Blick weniger stressig wirkt. Die Aufgaben sind ganz andere und erst mit der Zeit erlernt man diese. Naja und so bald man sie kann, erlebt man dann das volle Arbeitspensum. Beispielsweise meine erste Woche: Da habe ich gelernt wie man Patienten vermisst (Größe, Gewicht, Blutdruck, Blutzucker, Langzeitzucker) und sobald ich das sicher konnte, habe ich den ganzen Vormittag nichts anderes gemacht. In meiner zweiten Woche habe ich Blut abnehmen geübt und danach habe ich quasi alles im Labor machen können (Außer Infusionen und Diagnostiktests). Damit konnte ich meine Kollegen entlasten und war nicht nur die Mitläuferin, um die man sich kümmern muss. Das ist mir immer wichtig: nicht im Weg sein und so schnell wie möglich alles erlernen. Zugänge, für bspw Infusionen, legen, habe ich tatsächlich erst ab November gelernt. Macht ja auch Sinn, da man ja erstmal normales Blut abnehmen beherrschen muss. Nachmittags waren wir dann hauptsächlich mit Papierkram beschäftigt: Mails lesen und beantworten, ans Telefon gehen, Schwangere mit Gestationsdiabetes anrufen, weil der Arzt die Blutzuckermesspläne angeguckt hat, Scannen, Fax annehmen und beantworten usw. Von Anfang an habe ich versucht selbstständig die Aufgaben zu machen, aber erst mit der Zeit konnte ich bspw Telefonanfragen vollständig und gut beantworten. Man muss erstmal lernen wie alles abläuft, was gemacht wird und was nicht. Ich hab gelernt, dass das nicht schnell geht sondern Erfahrung und Zeit erfordert. Unsere Ambulanz musste dann einem Monat nach dem Beginn meiner Ausbildung umziehen. Neue Prozesse, neue Abläufe, neue Räume…. Es hat lange gedauert bis alles soweit gepasst hat, aber so ist das halt. Die zwei Jahre gingen verdammt schnell um. Und ich hab so viel gelernt, das ich das hier nicht alles schildern kann. Besonders gefallen hat mir auch, dass ich mir während meiner Ausbildung andere Bereiche ansehen durfte. Unteranderem habe ich Praktika in der Kinderklinik, in der Augenambulanz und in der Pneumologie gemacht. Dabei konnte ich mir nochmal unterschiedliche Aufgaben der MFA angucken aber auch andere Fachgebiete und Erkrankungen. Oh, in der Endoskopie darf man als MFA sogar sedieren. Super spannend!

Als es dann Richtung Prüfung ging im Mai, habe ich angefangen alle Dinge zu üben, die ich normalerweise nicht in der Ambulanz mache. Richtig toll, dass ich großartige Hilfe bekommen habe! An Angelika durfte ich sowohl Thromboseverbände anlegen, als auch mit anderen Nadeln blutabnehmen üben und wir sind verschiedene Formulare durchgegangen. Unten ein kurzes Video, wo wir Blut abnehmen mit den Vorgängernadeln geübt haben (Wir nutzen normalerwiese ‚Butterflies‘):

Achtung: Wer keine Nadeln sehen kann, bitte weiter scrollen, danke!

Zweimal in der Woche hatte ich Berufsschule an der Max-Weber. Und was soll ich sagen, Berufsschule ist ganz anders als meine bisherige Schulzeit war. Zum einen hatte ich nur Fächer, die Fachspezifisch waren (Medizin, Abrechnung, Labor, Wirtschaft und Soziales). Nebenfächer wie Deutsch oder Gemeinschaftskunde waren tatsachlich nur 45min in der Woche. (Was mir sehr gut gefallen hat). Zum anderen sind die Erwartungen ganz andere. Wir hatten eine ganz tolle Klassenlehrerin, die uns auch in Medizin unterrichtet hat, und ihr Ziel war es immer, dass auch schwache Schüler*innen den Stoff verstehen. Also nicht einfach nur wie auf dem Gymnasium versuchen, den kompletten Stoff durch zu ballern, sondern lieber etwas langsamer und dafür kommen alle mit. Diese Einstellung fand ich super nur leider war mir persönlich immer etwas langweilig. Das soll jetzt auf keinen Fall arrogant klingen! Ich habe trotzdem viel nützliches und gutes gelernt. Wenns nach mir gegangen wäre, hätten wir halt ruhig tiefer in die Materie eintauchen können und auch mit mehr Fachbegriffen. Und etwas schneller. Vorallem das erste Jahr war echt einfach, weil es um Erste Hilfe ging. Oh man, wenn das nicht mein Thema ist, weiß ich auch nicht *hust hust* Erste Hilfe Trainerin *hust hust*. Da ich meine Ausbildung auf zwei Jahre verkürzt hatte, war ich in meinem ersten Jahr im zweiten Lehrjahr. Daher habe ich nebenher den Stoff für das erste Lehrjahr gelernt. Damit hatte ich immerhin mehr zu tun. Die Klassenarbeiten liefen gut auch in Wirtschaft, es war echt ein super Gefühl gute Noten zu schreiben. Während meiner Schulzeit davor war ich immer nur im Mittelfeld egal wie viel ich gelernt habe. Das änderte sich in der Berufsschule. Das habe ich einfach mal genossen. Durch Corona hatten wir für fünf Monate Online Unterricht. Für mich war das toll. Keine ein einhalb Stunden in die Schule fahren sondern zu Hause sitzen, spät aufstehen und trotzdem den Stoff lernen. Mega! Trotzdem war es schön meine Klasse ab Mai wieder zusehen. Vorallem Klio und Sabrina. Wir sind das Trio! Auch nach dem Ende der Ausbildung!

Mit den anderen habe ich mich auch gut verstanden. Zehra war wie ich an der Uniklinik und daher habe ich sie in der Augenklinik besucht und sie mich in der Ambulanz. Das war cool! Wir beide waren im dritten Lehrjahr auch Klassensprecherinnen. Ah, in dem Jahr war ich auch Schülersprecherin:

Durch Corona musste ich keine Zwischenprüfung schreiben und leider hatten wir kaum praktischen Unterricht. Das wurde ab September 2021 nachgeholt.

Für meine Klasse habe ich auch einen Erste Hilfe Kurs ornganisiert. Als MFA muss man nämlich einen 16 UE EH Kurs machen. In unserem Jahr entfiel dieser. Aber da die Inhalte trotzdem in der Prüfung gefragt werden können, hatte ich bei der Ärztekammer angefragt und es hat tatsächlich geklappt. Mit Martin Nowak hatte ich den Kurs gemacht und es war echt lustig und erfolgreich! Ayleen aus meiner Klasse hatte später im Jahr sogar einen Druckverband machen müssen. Da hat der Kurs sich ausgezahlt. Die zwei Schuljahre waren gut und ich habe viel gelernt, was mir in der Zukunft auf jeden Fall helfen wird.

Vielen vielen Dank für die zwei tollen Jahre! Ohne dieses eingespielte und liebe Amulanzteam, wäre die Zeit nicht so schnell und schön verstrichen. Das Gelernt werde ich definitiv für mein Medizinstudium gebrauchen können! Denn das möchte ich als nächstes machen und wenn alles klappt, dann beginnen ich im April 2023!

Und als Abschluss noch ein paar Bilder vom Mitarbeiterfest im Juli 2022. Ich kann gar nicht fassen, dass es zu Ende ist und ich bald mit all den tollen Menschen nicht mehr zusammenarbeiten werde. Wirklich, vielen vielen Dank an euch! Ihr habt die Arbeit zu einer Zeit am Tag gemacht, die nicht nur erträglich ist sondern Spaß macht hat. Klar, es gab die Tage, an denen wir gestresst waren, an denen man in Arbeit fast untergegangen ist und es einfach nur durchhalten hieß, aber trotzdem konnten wir zwischen drinnen lachen und das ist super wichtig. Eine Arbeit, bei der das Team nicht harmoniert, macht keinen Spaß und das war bei uns definitiv nicht so. Ich hoffe, für euch war es auch ähnlich und ich habe euch nicht zu Tode genervt mit meinen Fragen und Geschichten. Für meinen Teil kann ich sagen, dass ich super gerne mit euch rede und unsere Gespräche einfach gut sind (auch Diskussionen, ich liebe es ;D). Das werde ich vermissen! Und euch! Bevor ich jetzt sentimental werde, ist jetzt Schluss und ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein frohes neues Jahr! 🥳🥂

2 Comments

  • Leoni sagt:

    Sehr schöner Post! Informativ, interessant und ehrlich geschrieben! Bin stolz auf dich und freu much voll, dass du so eine schöne (wenn auch anstrengende) Zeit hattest, auf die du für immer mit guten Gefühlen zurück blicken kannst! You Rock Vickyy😎😘

  • Bettina Zeeb sagt:

    Da kann man ja echt stolz sein auf Dich! Congratulations!!!!

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